Praedicate Evangelium e.V.

Evangelium zum Sonntag

Monsignore Heinrich-Maria Burkard

15. Sonntag Jkrs. B – Mk 6,7-13

Die Aussendung der 12 Jünger zu zweit

14. Juli 2024

Nach seiner Abweisung in seinem Heimatort setzt Jesus seine Sendung fort. Nachdem er die längste Zeit seines Lebens als „Holzbaumeister“ die Lebens-Grundlagen für das Zusammenleben von Familien schuf¹, besteht nun seine Sendung darin, die Lebens-Grundlagen für die „neue Familie der Kinder Gottes“ zu schaffen. Markus setzt an dieser Stelle die Erzählung der Erwählung der zwölf Apostel² fort, die Jesus berufen hatte als Zeichen, dass die 12 Stämme Israels wieder hergestellt werden sollten.³ Mit ihnen begründet er das „neue Israel“, das „neue Gottesvolk“. Er senden sie zu je zweit aus, denn für ein rechtsgültiges Zeugnis brauchte es immer zwei Zeugen. Damit werden sie als „authentische Zeugen“ der Botschaft Christi qualifiziert. Und sie bekommen Anteil an der Vollmacht Jesu, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Sie müssen dabei aber auch die Lebensweise Jesu als „Wanderprediger“ annehmen. Das bedeutet den Verzicht auf Vorräte für den kommenden Tag und damit verbunden das Vertrauen, dass der himmlische Vater für ihr tägliches Brot Sorge trägt. Sie werden wie Jesus nicht überall gehört werden, aber diese Ablehnung sollen sie wie den Schmutz von Ihren Fußsohlen abschütteln. Sie dürfen sich davon nicht ausbremsen lassen für Ihren Auftrag, sondern sie sollen dann weiterziehen unter dem Segen Gottes und ihren Auftrag fortführen. ( 6b: Jesus zog umher in den umliegenden Dörfern und lehrte (dort). 7: Und er ruft die Zwölf zu sich und er begann, sie zu zweien auszusenden und er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister.

8: Und er gebot ihnen, dass sie nichts auf den Weg mitnehmen, außer einen Wanderstecken, kein Brot, keinen Vorratsbeutel, kein Kupfergeld im Gürtel,

9: jedoch Riemen – gebundene Sandalen und: „zieht keine zwei Hemdkleider an!“

10: Und er sagte zu ihnen: „Wo ihr in ein Haus hineingeht, dort bleibt, bis ihr wieder von dort weggeht!

11: Und wo euch ein Ort nicht aufnimmt, und man euch nicht anhört, dort geht wieder hinaus und schüttelt den Staubschmutz unter euern Füßen ab zum Zeugnis gegen sie.

12: Und wie sie ausgezogen waren, predigten sie, dass sie umkehren sollten,

13: und sie trieben vielerlei Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Fragen zur Besinnung und zum Austausch

• Wofür bin ich / sind wir heute gesandt?
• Mit welche „Ausstattung“ sollen wir unserer Sendung leben? Worauf sollen wir das dabei verzichten? Wofür sollen wir bitten?

Fussnoten

¹ „Tekton“ wird in der Regel als Zimmermann übersetzt, der v.a. Häuser baute. Das deutsche Lehnwort „Archi- Tekt“ bezieht sich auf den „Vorsteher“ solcher „Holzbaumeister“. „Haus“ bedeutet zur Zeit Jesu gleichzeitig „Familie“

² Die Wahl der 12 Apostel wird in Mk 3,13 – 19 beschrieben:
“13 Jesus stieg auf einen Berg und rief die zu sich, die er selbst wollte, und sie kamen zu ihm. 14 Und er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden 15 und mit Vollmacht Dämonen auszutreiben. 16 Die Zwölf, die er einsetzte, waren: Petrus – diesen Beinamen gab er dem Simon -, 17 Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und Johannes, der Bruder des Jakobus – ihnen gab er den Beinamen Boanerges, das heißt Donnersöhne -, 18 dazu Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Thaddäus, Simon Kananäus 19 und Judas Iskariot, der ihn dann ausgeliefert hat.“

³ Das „alte Gottesvolk“, die 12 Kinder Jakobs, die die 12 Stämme Israels bildeten bestand zur Zeit Jesu nur noch aus dem Stamm Juda, den Leviten und einen kleinen Teil des Stammes Benjamin.

„Wer mich sieht, sieht den Vater!“
(Joh 14, 9)
Fastenkalender 2024

Die alttestamentlichen Lesungen der Liturgie zur Vorbereitung auf Ostern

Was ist das Ziel der Österlichen Bußzeit bzw. der Höhepunkt von der Osternacht? Es ist die Tauferneuerung, dort wo wir dem Bösen absagen und unseren Glauben neu bekennen! Es ist die Erneuerung unserer persönlichen Brautschaft mit Jesus Christus! Es ist die Erneuerung in der Liebe Gottes! Die Erneuerung des Bundes zwischen Gott und uns Menschen!

Die alttestamentlichen Lesungen aus der Liturgie bereiten uns täglich, immer tiefer und auf unterschiedliche Weise vor, uns auf diese persönliche Begegnung mit Christus vorzubereiten. Vielleicht stellen wir uns einmal die Fragen:  Welchen Christus erwarte ich an Ostern? Erwarte ich Ihn überhaupt? Wie möchte ich Ihm (neu) begegnen? Gibt es etwas, das ich ausräumen muss, um Ihm überhaupt begegnen zu können? Habe ich Angst Ihm zu begegnen? Müsste ich mein Leben ändern? Bin ich in der Liebe, um die Liebe vor dem offenen Grab erfahren zu können?

Eines ist sicher! ER wird kommen, um zwar im Geheimnis des Pascha-Mysteriums, im Geheimnis seines Leidens, Sterbens und Auferstehens. Es ist letztendlich, die persönliche Begegnung mit dem Verklärten Herrn, dem Barmherzigen Jesus! Er wird uns immer die Fülle seiner Herrlichkeit schenken wollen! Es liegt an uns selbst, ob man vorbereitet ist, Ihn bei sich aufzunehmen, wie etwa die Emmaus-Jünger, die sagen: „Bleibe bei uns, Herr!“

Das Licht der Osterkerze, wird in der Osternacht, in das Dunkel der Kirche, in das Dunkel unseres Lebens hineingetragen! Wir sind eingeladen, selbst zu einem Leuchter des Lichtes der Auferstehung zu werden! Beginnen wir selbst, in göttlicher Liebe und Barmherzigkeit zu brennen. Die Osterzeit wird dann ein gemeinsames, liebendes Leben mit dem Verklärten Herrn, der sich uns persönlich offenbart hat. Nur wenn wir die Fasten- und Osterzeit in liebender und hingebender Weise begangen haben, ist es möglich, die Pfingstgnade in seiner Fülle zu empfangen, damit Christus in mir weiterbrennt, auch wenn das Licht der Osterkerze wieder gelöscht wird. Schnell können wir die Pfingstgnade wieder verlieren, wenn wir nicht in der Nähe des Gekreuzigten und Auferstandenen Christus leben.  

Ziel dieses Fastenkalenders ist somit die Erneuerung und eine Verlebendigung unserer eigenen Liebesbeziehung mit Christus. Die zentrale Frage bei der Betrachtung der einzelnen Abschnitte ist: „Herr, was möchtest Du mir persönlich sagen?“ Die Impulse sollen, nur ein Hilfsmittel sein, um unsere Beziehungen zu Jesus, zum Nächsten und zu Sich-Selbst zu heilen bzw. zu heiligen, zu reinigen und mit Liebe zu erfüllen. Die Gnade der Erlösung möchte in uns beginnen.

Was erwartet uns?

  1. Jeden Tag wird uns ein neues Betrachtungsbild vor Augen geführt.
  2. Wir hören täglich die alttestamentliche Tageslesung, die uns vom Hören zu einem österlichen Sehen führen möchte.
  3. Geistlicher Impuls, Fragen und Anregungen um Christus persönlich zu begegnen sowie priesterlicher Segen.

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Nehmen wir uns doch dieses Jahr 2024 einen positiven Fastenvorsatz: mehr in der Heiligen Schrift zu lesen oder bewusst jeden Tag, den Rosenkranz für den Frieden zu beten. Dies kann uns automatisch dazu helfen, weniger in den medialen Netzwerken (Fernsehen, Internet, Smart-Phone, etc.) herum zu surfen und uns auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Lassen wir Christus in den stillen Augenblicken des Tages persönlich zu uns sprechen. Laden wir die Gottesmutter ein, dann hören wir besser, entscheiden wir uns leichter und lieben vollkommener.

„Ich hoffe Sie machen mit!“
Ihr Pfarrer Stephan Sproll